gruesse aus dem piratennest

Hallo,

da melde ich mich mal wieder. diesmal allerdings nicht aus dem vertrauten Peking sondern aus der wilden welt derschurken und freibeuter. genau, von hongkong ist die rede

puenktlich zum EM-ende ist auch mein visum ausgelaufen. ich habe mich ehrlich gesagt nicht grade auf letzteres gefreut, nedeutete es ja niht nur, dass ich zu einer bloeden zeit das land verlassne muss (wahrscheinlich gut die haelfte aller langzeitauslaender hat das gleiche problem wie ich - am 1.7 laeuft alles aus), es hat auch komplett meine ganze reiseplanung kaputtgemacht.

anfangs hatte ich ja grnadiose, hochtrabende plaene. von wilden pandas und wahrscheinlich noch wilderen eintoepfen und einer prise tibetanismus in SICHUAN hatte ich getraeumt. und grade als es losgehen soll wackelt mein plan unverhofft...
dann disponierte ich um, las mich in die farbenfrohe welt der minderheitsvoelker in ostguizhou ein (was selbst vielen eingefleischten chinesierten hier nihts sagt), nur um dann herauszufinden, dass dort aufgrund sintflutartiger regenfaelle - nun ja...sintflut ausgebrochen ist. und grade als es besser zu werden schien, kam das ganze visumsdilemma zum vorschein

ich habe noch einen monat FSJ vor mir und aus irgendeinem grund, den nur die uebervaeter des chinesischen kommunismus verstehen wurden die vorschriften enger gemacht, sodass ich jetzt das land verlassen muss. ich habe selbst erst hier in china erfahren, dass hongkong noch bis in die 2040er ausland ist. chinesen werden bis dann ein visum fuer dieses schoene kleine eiland brauchen. europaeer nicht, das nur eine lustige randnotiz. somit sass ich also gestern im schoene zug nach hongkong, was eine komische erfahrung war. am pekinger bahnhof gab es passkontrolle und schoen eine art zoll. dann begaben wir uns auf den zug, die tueren wurden buchstaeblich versiegelt und wir setzten ins in bewegung. 25 stunden - 2400 kilometer. war dann gar niht so langweilig wie es klingt, weil ich einen netten deutshen kenengelernt habe, mich dem ich mich den grossteil der zeit unterhielt. heute mittag kam ich dann endlich in hongkong an. die sache bei hongkopng ist, dass die stadt selber unglaublich dicht besiedelt ist - geruechteweise die hoechten grundstueckspreise auf der welt - es aber trotzdem noch viel gruen, srand und selbst regenwald gibt. ich wohne in der stadt, in einem 15 stoeckigen gebaeude, in dem ein hostel nach dem anderen steht. und hostel ist in diesem fall ein ueberaus freundliches wort. rattenloch trifft es besser. schon sehr heruntergekommen und groestenteils von zwilichitgen gestalten bevoelkert (wobei die zahl der drogendealer und prostituierten angeblicherweise sehr stark zurueckgegangen ist in den letzten jahren). da die grundstueckspreise so hoh sind, werden (in diesem fall MIT) ruecksicht auf verlusten 2 hochbetten in ein 6qm zimmer gestellt.
das interessante dabei ist, dass es tatseachlich viele gestrandete gibt, die hier trotzdem laenger wohnen. und damit meine ich keine reisenden, ich meine menschen, die hier teilweise seit 8 jahren in solchen schlafsaeaelen leben, weil dies die billigste option ist. sie halten sich mit irgendwelchen jobs ueber wasser, aber verdienen auch nicht genug, um hier rauszukommen. und dass sie zu hause im westen ueberleben wuerden ist eh dahingestellt. es ist teilweise schon traurig, aber andererseits das kraewftigste argument fuer ein studium

was andererseits wieder sehr interessant ist, ist die multikulturellitaet hier in hongkong. natuerlich bevoelkert von kantonesen (suedchinesen) und auch vielen weissen, die zusammen mit architektur und einer generellen atmosphaere erahnen lassen, dass hier bis vor 11 jahren noch der onion jack wehte...
und dank dieses englischen einflusses trifft man hier auch sehr viele schwarze, inder, und so generell, jede nationalitaet und ethnizitaet, die auch nur entfernt was mit asien oder konolialengland zu tun hat(te). grade, wenn man aus peking und china genrell kommt, wo doch immer noch 98% aller menschen und aller kultur chinesisch ist, dann merkt man hier doch schon krass nen unterschied. die leute sprechen hier entweder englisch oder kantonesisch, aber noch 10 monaten spreche ich einfach jeden chinesen automatisch mit mandarin an, was die nun mal auf den tot nicht abkoennen. und auf der spraceh wieder eine westliche sprache zu sprechen...komish komisch.

da mich die mitarbeiterin hier im hostel aber vom computer vertreiben will noch ein kurzes update ueber den eigentlich grund meines urlaubs. heute nachmittag nach erfolgreichem einchecken in das hostel (das wiederrum nach erfolgreichen ueberwindens meines bauchgefuehls) begab ich mich in ein officegebaeude in der naehe des hostels, welches mir von einem freund empfohlen wurde. dort lagert nun bis freitag mittag mein pass und wird dann hoffentlich ein druckfrisches 30-tage visum fuer china enthalten mit dem ich mich dann am sonntag in den flieger gen peking setzen kann. die visa-agencies arbeiten anscheinend irgendwo in der grauzone, aber da ale auslaender, die laenger in china leben und nicht in ihr heimatsland reisne koennen hier irgendwann mal so eine agency beauftragen muessen, schaetze ich mal, dass alles glatt alufen muesste.
wuenscht mir glueck!!
hoffentlich mit baldigen gruessen aus peking!
Jan

2 Kommentare 2.7.08 15:37, kommentieren

3 Minuten

Moinsen,

da melde ich mich mal wieder aus dem Land, wo...die Naturkatastrophen bluehen. Aus dem Land, was noch lange an den Folgen des Erdbebens zu zehren haben wird, da immer noch Zehntausende vermisst werden. Aus dem Land, in dem ich allerdings auch einen nationalen Zusammenhalt sehe, wie ich in selbst in meinem USA-Jahr wenig gesehen habe. Aus der immer noch fremden Welt. Aus China.

Ok, ich wollte das eigentlich gar nicht so poetisch anfangen, aber das irgendwie fand ich, dass diese Analogie (oder Anapher...oder wie auch immer dieses Stilmittelding heisst, wo alles mit dem gleichen Wort anfaengt. Haette ich gewusst, dass ich mal bloggen wuerde haette ich in deutsch wohl mehr aufgepasst..vielleicht doch schon meine turbulente Zeit hier beschreibt.

Ich glaube, ich brauche euch nichts ueber die Fakten zu erzaehlen, denn die duerftet ihr kennen, aber die Art, wie ich es unter all den Chinesen erlebt habe, finde ich wirklich interessant und aufschlussreich.

Alles anfangen tat es ja am Montag vor anderthalb Wochen mit der Schreckensnachricht. Wobei das Einzige, was ich die ersten zwei Stunden wusste, dass die Freundin meiner Mitarbeiterin bewackelt wurde im Hochhaus, aber erst nach und nach wurde das ganze Ausmass der Katastrophe klar. Zwar war gluecklicherweise keine Familie meiner Mitarbeiter betroffen, aber es breitete sich eine Anteilnahme und Trauer aus, welche schon erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass das Ereignis gut 2000km entfernt stattfand und einfach nur Landsleute betroffen waren. Das einzige Ereignis, was ich als Deutscher mit dem vergleichen kann war die Flutkatastrophe 2002 und selbst da - obwohl dies viel naeher war - tangierte mich das wirklich wenig und ich waere nie im Leben auf die Idee gekommen, Geld zu spenden, geschweige denn mich sonst zu engagieren.

Nicht so hier. Seit ca. 20 Minuten nach dem Beben wird auf praktisch allen chinesischen Sendern ununterbrochen ueber das Erdbeben berichtet. Es werden heroische Bilder gezeigt, wie Rettern/Helden gegen die gnadenlosen Maechte der Natur ankaempfen. Und auch eine Woche spaeter bleiben viele Leute davor stehen und gucken sich stumm die Bilder an. Am Tag selber verbrachten meine beiden Bosse den gesamten Tag vor dem Computer um sich durch Internetfernsehen weiter zu informieren, und als ich mich am Abend zu Ihnen ins Buero setzte waren beide den Traenen so nahe, dass es schon schauerlich war.

Public Viewing - ein Begriff, der fuer mich waehrend der WM gepraegt wurde erlangt hier nochmal eine ganz andere Bedeutung. So ist beispielsweise auf der grossen und beruehmten Einkaufsstrasse Wangfujing direkt ueber McDonalds eine riesiege Leinwand angebracht, die natuerlich seit dem Ereignis 24h am Tag ueber das Ereignis berichtet, und egal zu welcher Tages- oder Nachtszeit man dort hingeht...immer sind hunderte Menschen davor versammelt und gucken sich Bilder vom Ereignis an. Die Anteilnahme, die hier ueberall foermlich zu spueren ist, ist fuer mich fast atemberaubender als das eigentliche Disaster.

Am Donnerstag stellten wir dann in unserer Lobby eine Spendenbox auf und baten alle Gaeste, auch etwas fuer das Rote Kreuz su spenden, um den Landsleuten in Sichuan zu helfen. Und ausnahmslos jeder Mitarbeiter spendete einen beachtlichen Anteil. Meistens 10% des Monatsgehalts. Meine Bosse spendeten sogar 1000RMB. Und als ich am naechsten Morgen immer noch nichts reingetan hatte (wirklich eine Sache der Zeit als eine Frage des mangelnden Herzens) wurde ich von mehreren Mitarbeitern vorwurfsvoll drauf hingewiesen, dass ich als chinesisierter auch was spenden sollte. Obwohl fast alle Spenden nur von uns Mitarbeitern generierten, sammelten wir immer noch 4500 Euro an. Nicht schlecht fuer 30 unterbezahlte Chinesen. Ich finde, diesen - ja irgendwo ist es schon Patriotismus wirklich positiv. Wie das Land zussamenhaelt, sich gegenseitig unterstuetzt, ist schon erstaunlich. Negativ daran ist natuerlich, dass Stimmen die darauf hinweisen, dass es schon sonderbar, dass so viele Schulen und oeffentliche Gebaeude zusammenbrachen, waehrend Firmen dem Beben standhielten des Antipatriotismus bezichtigt werden. Aber es erklaert auch das Unverstaendnis und die Unakzeptanz von Separatismusbewegungen. Ich kann jeden Chinesen fragen, den ich will. Sie werden mir alle bestaetigen, dass die nationale Einheit das Wichtigste ist, und wenn man sieht, wie sie sich helfen, dann glaubt man das auch. Da kommt natuerlich sehr die Parteilinie durch, aber es ist nunmal dass, was (fast) alle Chinesen glauben.

Am Montag fing dann genau 168 Stunden spaeter um 14.28 eine dreitaegige Staatstrauer mit einer 3 minuetigen Schweigeminute an. Auch dies ein einpraegsames weil fast schon gespenstisches Erlebnis: Um 14.15 unterbrach ein 1,3 Milliardenvolk die Arbeit, um sich im Freien zu versammeln und den Toten zu gedenken. Alle Mitarbeiter der Jugendherberge und die 3 Gaeste, die den Hinweis gelesen hatten versammelten sich auf der grossen Strasse vor dem Haus. Neben uns stand die gesamte Belegschaft des 4 Sterne Taiwanhotels. Aus dem Massagesalon/Fruedenhaus kamen auch alle heraus und generell versammelte sich jeder und jede, die zu der Zeit grade in der Strasse war auf dem Buergersteig. Ich habe selten eine so grosse Menschenmasse gesehen, die einfach nur dastand - regungslos - und sich nicht bewegte. Um 14.28 blieb dann auch der Verkehr stehen. Doch anstatt den Motor auszustellen finden alle Autos an zu hupen. Es war ohrenbetaeubend, aber zerstoerte die Atmosphaere eigentlich ueberhaupt nicht. In einer Kultur, in der Feuerwerkskoerper zu dem Zweck erfunden wurden, um boese Geister zu vertreiben, ergibt es sogar Sinn. So standen wir da in diesem Schallinferno, einige fingen noch einmal an zu weinen und als es dann aufhoerte ging ein lautloses aber unbeschreibliches Zussamengehoerigkeitsgefuehl durch die Menge. Danach versammelten sich wieder alle, um im Fernsehen zu sehen, wie in allen Teilen des Landes diese Art der Staatstrauer abgehalten wurde.

Doch damit ist die Geschichte immer noch nicht vorbei. Beziehungsweise auf dem neuesten Stand. Die naechste Hiobsbotschaft kam gleich am Montag Abend. Nachdem alle dachten, es wuerde jetzt etwas abkuehlen sass ich grade in unserer Bar und unterhielt mich mit einem daenischen Freund, der 4 Wochen lang in der JH wohnte. Um 10 Uhr brach bei der grade arbeitenden Barmitarbeiterin Panik aus. Sie rief aufgeregt Leute an und wirkte auf einmal sehr aufgeloest. Als ich sie fragte, was denn los sei, sagte Sie, dass sie nicht wisse, ob es ihrer Familie gut geht. Wegen dem Erdbeben und so. Das fand ich 7 Tage spaeter etwas komisch aber ich wusste auch nichts damit anzufangen. Als dann aber gegen 12 ein anderer Mitarbeiter und guter Freund auch vom Buerotelefon versuchte, zu Hause anzurufen und ploetzlich in Traenen ausbrach, war das nicht mehr koscher. Als ich ihn dann versuchte zu troesten erfuhr ich, dass das Geruecht eines starken Erdbebens in Xian umging. Da viele Mitarbeiter (auch mein Boss, dessen Familie ich ja in Xian besucht hatte) aus der Umgebung kam war bei vielen die Hoelle los. Am Ende stellte sich heraus, dass es nur ein kleines Nachbeben war und alle - zumindest alle Mitarbeiterfamilien - in Sicherheit waren. Verstaendlicherweise war allerdings das schon strapazierte Telefonnetz in die Gegend zussammengebrochen, sodass viele erst am naechsten Tag erfuhren, dass nicht passiert war.
Am naechsten Tag sah man vielen Leuten an, dass sie die nacht nicht gut geschlafen hatten.

Es ist und bleibt hier in China also aufregend.
Gruesse ins wohl behuetete Deutschland!
Jan

2 Kommentare 23.5.08 10:06, kommentieren

I will survive

Hallo allerseits,

der lebende gruesst euch, um das bekannte sprichwort mal etwas zweckzumissbrauchen.
Wer von euch nicht weiss, der kann sich auf wahrscheinlich jeder Newsseite der Welt darueber informieren. Gestern nachmittag chinesischer Zeit gabs in der Provinz Sichuan ein ziemlich schweres Erdbeben. 7,8 auf der Richterskala. Es heisst, das war das schlimmste seit 30 Jahren in China. Die Todeszahl ist inzwischen auf 50000 geklettert, anscheinend sind 2 Mittelschulen waehrend des Unterrichts zusammengebrochen und haben um die 1000 der 1300 Schueler im Gebaeude begraben und zu einem ganzen Landkreis (!) gibt es immernoch keine Kommunikation, da alle Handymasten, Leitungen und Strassen kaputt sind. Ist kein gutes Zeichen fuer die 40000 Menschen, die da leben und moeglicherweise die Opferzahl in die Hoehe spriessen lassen koennten.
Selbst hier in Peking soll es ziemlich gewackelt haben. Also die meisten Gebaeude ueber 5 stoecke waren betroffen. So habe ich auch vom Beben erfahren, da eine Mitarbeiterin, mit der ich mich grade unterhalten habe von ihrer Freundin einen anruf bekam und gesagt bekam, dass alles wackelt und sie ziemlich angst haette.
Aber ich war natuerlich hier im ersten stock und habe es nicht mitgekriegt.

Sonst geht es mir ganz gut. Bei der Arbeit passiert nichts besonders, laeuft einfach so vor sich hin. Ich bewerbe mich grade fuer Universitaeten, bin mir aber noch nicht 100% sicher, was und wo es genau werden soll.
Ich hatte ehrlich gesagt grade einen kleinen Urlaub geplant. Ich wollte, nachdem ich heute mein neues Visum erhalten soll am Wochenende nach Sichuan fliegen und dann in Chengdu und dann der Provinz 9 Tage lang rumzuckeln. Wird wohl jetzt eher nichts. Aber wenn man bedenkt, dass ich - wenn ich mein visum nicht verlaengert haette - noch da unten waere, dann habe ich wohl glueck gehabt.
Ich scheine da generell gluecklich zu sein. Ich wollte vor 3 wochen nach Tsingtao fahren und nachdem ich fast schon das ticket hatte habe ich dann auch wegen visumsproblemen die reise verschoben, und prompt passiert auf genau der strecke ein massives Zugunglueck (das mit 90 toten und 450 verletzten, dass es auch in die deutschen nachrichten geschafft hat). Ich waere 2 tage vorher mit genau diesem zug gefahren...

Man kann sich jetzt streiten, ob ich jetzt glueck hatte, beide male nicht gefahren zu sein oder pech, dass es sehr schwer und teuer geworden ist, diesen beiden orte zu bereisen...
In anderen Neuigkeiten ist hier in Peking jetzt der sommer angebrochen. die ganze stadt lebt wieder. Leute treibt es wieder auf die strasse und die stadt hat wieder flair, weswegen ich glaube, dass die letzten 3 monate hier richtig gut werden.
Ich hoffe, es geht euch allen gut und ich wuerde mich freuen, was von euch zu hoeren!
Schoene gruesse aus peking,
Jan

1 Kommentar 23.5.08 03:17, kommentieren

Mein Leben und so

Moinsen,

da melde ich mal wieder aus China, bevor der Blog jetzt komplett einschlaeft. Mir wurde ja immer wieder gesagt, dass ich auch einfach mal was aus meinem leben schreiben soll und nicht immer gleich so gross ausschweifen soll. Einfach auch, damit ihr einen Einblick in mein ganz normales taegliches Leben kriegt.

Also, mein ganz normales Leben. Nunja, normal ist sowieso so eine Sache. Wenn man in einer Jugendherberge lebt ist sowieso alles etwas unnormal. Besonders in einem Land wie China fuehlt sich ja selbst das kleinste bisschen Westernheit schon vertraut an. So kams dann auch, dass ich neulich fuer einige tage in einer kleinen Gruppe - bestehend aus 2 Malayen (also Menschen aus Malaysia), einem Japaner und einem Kameruner und meiner Wenigkeit - rumhing und mich trotzdem mit ihnen verbunden fuehlte. Vielleicht, weil wir alle im gleichen Boot (naja, wohl eher Raumschiff im fernen Weltraum) sassen oder vielleicht, weil reisende generell sehr nett und neuem gegenueber aufgeschlossen sind. Aber irgendwie habe ich das Gefuehl, dass ich mich in diesem Jahr in den beruehmt-beruechtigen Weltenbuerger verwandele.

In letzter Zeit bin ich neben meinem groesstenteils englischen Freundeskreis auch oefters mit einigen Mitgliedern der juedischen Gemeinde - groesstenteils US-Amerikaner - ausgegangen und wir haben schon ausgemacht, dass wir uns mal in Israel treffen wollen. Auch habe ich eine Einladung, zwei Maedels in Costa Rica zu besuchen, falls ich sie nicht sogar noch waehrend des Europateils ihrer Weltreise treffe.

Zwar werden solche Einladungen und Plaene schneller ausgesprochen und verlaufen sich dann oft im Sand, aber dank Websites wie www.facebook.com kann man einfacher denn je in Kontakt bleiben und mit einigen Australiern und Schweden bin ich seit nunmehr ueber einem halben Jahr in Kontakt.

So schoen das auch alles ist, es hat aber auch seine Schattenseiten, hier zu leben. Peking ist von einigen nervigen Sachen abgesehen eine schoene Stadt und nicht schlecht zum leben, aber es juckt einen doch schon, wenn man auf so regelmaessiger Basis Weltreisende trifft und selbst hier gestrandet ist. Zwar bestreite ich nicht, dass ich schon gluecklich bin, ueberhaupt hier zu sein und diese Erfahrungen machen kann und nicht in Deutschland bin. Aber das aendert nichts an der Tatsache, dass ich schon neidisch bin, wenn ich die Erzaehlungen der Reisenden hoere und ihre Fotoalben im Internet angucke.

Wenn es besonders schlimm ist, gehe ich einen Block weiter in den Foreign Language Bookstore und lese mir Lonely Planets - gern auch die Bibel aller Rucksackreisenden genannt - durch. Ganz oben auf der Liste steht momentan die Flussfahrt auf dem Mekong durch Laos, Kambodscha und Vietnam, ein Trip durch Westafrika und auch Iran soll toll sein und dann muss ich natuerlich nach England, Australien, Schweden und Costa Rica um die Leute, mit denen ich hier laenger was zu tun hatte zu besuchen.

Aber erstmal steht jetzt erstmal Uni an. Wobei das natuerlich auch bloed ist, wenn man von Anfang an schon Fernweh hat. Den einzigen Trost, den ich habe, ist, dass ich ja erst 20 bin und sich die meisten Reisenden in meinem Alter noch gar nicht haetten vorstellen koennen, laenger zu reisen.

Ein Gedanke kreuzte in letzter oefter in meinem Kopf herum: Als ich damals in den USA war hatte ich waehrend des Jahres oft das Gefuehl, dass ich mich ja fast gar nicht veraendert habe. Und erst als ich spaeter wieder in Deutschland war habe ich im Kontrast zu meinem vertrauten Leben gesehen, wieviel ich mich eigentlich veraendert habe. Viel selbstbewusster, extrovertierter, weltoffener und auf jeden Fall erfahrungsreicher bin ich durch mein Auslandsjahr in der 11. geworden. Und vor meiner Abreise nach China ueberlegte ich mir oft, wie das wohl diesmal sein wuerde. Ich dachte, ich koennte mich gar nicht mehr so gross veraendern. Aber dieses Mal merke ich schon waehrend des Aufenthaltes, wie ich
nochmal weltoffener geworden bin und dank zahlreicher Gespraeche mit groesstenteils Aelteren viel ueber das Leben und speziell auch ueber Arbeit gelernt habe. Und nicht nur die, die hier in einer kleinen Midlife-crisis herkommen und ihren Job wechseln wollen, wenn sie zurueckkommen sagen, dass das wichtigste ist, das man spass haben sollte an dem, womit man Jahrzehnte seines Lebens verbringt. Dass das Leben lebenswert sein sollte. Jetzt bin ich gerade dabei, diese Wahrheit in Zusammenhang mit meinen Plaenen fuer internationale Wirtschaft in einen geeigneten Studiengang umzuwandeln. Wuenscht mir Glueck dabei.

 Aber eine Erfahrung, die ich hier andauernd mache finde ich besonders wichtig: Fast ueberall gibt es nette Menschen, und egal ob arm oder reich, schwarz, weiss oder gelb und egal ob Muslim oder Christ, es gibt wenige Orte, an denen ich mir nicht vorstellen koennte, zu leben.

Und damit ein Auf Wiedersehen aus der weiten Welt ins beschauliche Deutschland 

1 Kommentar 8.5.08 04:17, kommentieren

Medienkultur und politische Realitaet

Hallo allerseits,
ich melde mich zum ersten mal seit langem mal wieder aus China. Es tut mir leid, dass ich nun wirklich seit so langem nichts mehr geschrieben habe, aber ich komme ja wie die meisten von euch ja wahrscheinlich wissen gerade von einem 3 wochen urlaub mit meinen eltern wieder, wo wir echt die schoensten ecken chinas gesehen haben.
Es mangelt mir also wirkliche nicht an Erlebnissen, ueber die ich berichten kann und ich hatte auch schon einen - selbstlob - schoenen, gewitzten text geschrieben um in dann auf meinem blog der nachwelt zu vermachen.

Und hier setzt das problem an. und das problem ist so ungeheuerlich, das ich es besser nicht beim namen nenne, da ich nie weiss, was fuer filter auf den servern meines momentanen gastlandes rumlauern.
der konflikt in der Provinz im suedwesten dieses landes, der ja anscheinend immer groessere zuege annimmt, wenn man den fetzen, die ich auf deutschen news-seiten herauskitzeln kann bevor die zensur zuschlaegt laesst mich wirklich manchmal an...allem zweifeln.
Gleichzeitig ist es ein Lehrstueck ueber den totalitarismus, der - wie ich dachte - nur in buechern wie 1984 vorkommen kann.
Anfangs hatte es mich verwundert, dass ueberhaupt ueber diesen konflikt berichtet wurde. Doch da man anscheinend bei den Ausmassen dieses Konflikts wohl oder uebel berichten muss, waehlte man anscheinend Angriff als die beste Verteidigung.
Und so entstand eine perfekte inszenierung auf allen leveln, sodass einem nur grauen kann. Anfangs haeuften sich berichte ueber dutzende sicherheitskraefte, die vom tibaetischen mob angegriffen wurden. berichte machten die runden ueber gutherzige zivilisten, die in haeuser eingeschlossen wurden und dort elendig verbrannten sowie friedliebende Polizisten, die im Dienst fuer das Land umkamen. Opfer gibt es wenige zu beklagen auf tibaetischer seite, da der kriminelle separatistenfuehrer DarIai larma (ich schreibe aus genannten gruenden lieber keine namen hier richtig) alles perfekt organisiert hatte. der kampf gegen ebendiesen und dessen clique sei - laut chinesischer regierung - ein kampf auf leben und tod. Dass ebendieser sich oeffentlich von jeglicher gewalt distanziert und seit jahrzenten den dialog sucht passt da natuerlich nicht ganz ins bild.
vor gut 2 wochen haette sich die lage dann entspannt. fernsehen, zeitungen und oeffentliche informationsmedien wie ubahnlitfassaeulen zeigten bilder der normalitaet, die wieder eingekehrt sei. interviews mit gebranntmarkten ueberlebenden, pro-chinesischen buddhistischen fuehrern und thibaetern in der ganzen provinz begruessten einstimmig das harte vorgehen und forderten rache an den verraetern und saeparatisten.
Um westliche Propaganda aus dem Land selber zu unterbinden, die ja eventuell was anderes aussagen koennte wurde dann im Netz auf allen Kanaelen zugeschlagen. Saemtlich Blogs wurden gesperrt (leider auch meiner), auch war es beispielsweise wochenlang nicht moeglich, bei Gmail Datein an E-mails anzuhaengen, wenn Sie an westliche Server verschickt wurden und auch die Proxyseiten (eine Art Umleitung ueber andere, meist westliche Server, um geblockten Inhalt anzuzeigen) - das Ueberlebenselixier fuer zensurgeplagte Westler - wurden scharenweise abgeschossen.

Doch irgendwann wurde dann absehbar, dass der konflikt noch laenger andauern wuerde, da die westlichen Medien ein grosses Interesse kundtaten und neuerdings der fackellauf auch eine hervorragende Buehne fuer Frii-Tibaet-Aktivisten bietet und somit musste ein neuer Suendenbock her.
Da kam der westen wir gerufen.
Denn leider sind die westlichen medien auch nicht wirklich perfekt. Mir war schon in meinem Jahr in den USA aufgefallen, wie einseitig manchmal berichtet wurde (wenn z.b. ueber Bush's Wiederwahl oder das religioese Lager berichtet wurde, dann war selbst mir als neutralem Beobachter aufgefallen, wie haarstraeubend teilweise Fakten verdreht wurden und unfair argumentiert wurde um sich in Europa gut zu verkaufen). Und auch diesmal wurden aus Uebereifer Bilder von Ausschreitungen in Nepal als tibetische verkauft und Bilder von Demonstrationen so beschnitten, dass die chinesischen Sicherheitskraefte schlecht und barbarisch rueberkamen.

Aber trotz dieser Fehler, die inzwischen auch von einigen Nachrichtenagenturen zugegeben wurden, drehte sich mir neulich der Magen um, als ich in der vierten Zeile der Titelgeschichte in der China Daily - der mit Abstand groessten englischsprachigen, aber regierungstreuen Zeitung China's - folgenden Satz mit Bezug auf ebendiese Bilder las:
"Es ist schockierend zu sehen, wie man Medien manipulieren kann"

Haarstreubend.
Ungeheuerlich.
Was man eigentlich nur als Hohn an menschliche Intelligenz sehen kann funktioniert hier.
Mein Boss, der wirklich unglaublich nett und intelligent ist, mit dem man auch nach der Arbeit und mit einigen Flaschen Bier Spass haben kann und der mich sogar komplett auf seine Kosten fuer anderthalb Wochen uebers chinesische Neujahr zu sich nach Hause nach Xian einlud eroeffnete mir grade neulich erst, als ich auf tagesschau.de die westliche Version der Wahrheit las, dass der Darlai Larma der Teufel sei, erschossen gehoere und die Polizei in Tibet viel haerter durchgreifen muesste.

Einschnitt. Zwei Tage spaeter: Ich unterhalte mich mit einer Mitarbeiterin, die inzwischen eine sehr gute Freundin ist, da sie brilliant Englisch spricht und auch sonst sehr intelligent ist. Vielleicht liegt es am Englischlevel, aber ich vergesse oefters, dass sie noch nie China verlassen hat und nur den chinesischen Horizont hat.
Aus irgendeinem Grund kommen wir wieder mal auf das T-thema zu sprechen und Boom!: "Ist doch vom Westen aufgestachelt alles. Das ist eine innerchinesische Angelegenheit, die aus der Welt geschafft wurde und jetzt nur noch kuenstlich von den Westmedien am Leben gehalten wird."

Ich muss es ganz ehrlich sagen: Nach all dem, was ich hier so mitgekriegt habe in den inzwischen 7 Monaten, die ich hier bin, bin ich bei der Ueberzeugung angelangt, dass sich dieses Regime hier noch lange halten wird. Noch Jahrzehnte. Aus dem einfachen Grund, dass die Chinesen sich einfach in der grossen Masse und Breite nicht dafuer interessieren, hier fuer Demokratie zu kaempfen.
Natuerlich stimmt es auch, dass das nicht ihre Schuld ist. Der Mix aus Medienzensur, traditioneller Zurueckhaltung, laecherlichem Geschichts- und Politikunterricht und der Tatsache, dass Hinterfragen und Diskussionen immer noch als Faux-pas betrachtet werden hat seine Spur hinterlassen.


...Und ausserdem hat Samsung letzte Woche ihr neues Handy rausgebracht. 65000 Farben, mit Video-Kamera, einem Videoplayer fuer ganze Filme. Voll geil, ey!
Wie sagte Ceasar so schoen: Brot und Spiele (und das Volk ist gluecklich). Das Konzept lebt auch 2000 Jahre in leicht abgewandelter Form als Reis und Handys weiter.

Und in genau dieser pessimistischen Phase muss ich mich jetzt fuer ein Studium entscheiden. Chinesisch oder nicht chinesisch, dass ist hier die Frage, um noch ein Klassikzitat zu versaubuedeln.

So, bevor sich das jetzt noch weiter in irgendwelche selbstbemitleidenden Tiraden hineinsteigert erwaehne ich mal die positiven Seiten.
Mein Chinesisch ist inzwischen recht gut, kann mich jetzt einigermassen unterhalten und komm fast ueberall durch; ich verstehe mich gut mit meinen Mitarbeitern und haenge oft mit ihnen einfach so rum und die Reise, die ich mit meinen Eltern neulich bestritten habe hat mir doch groesstenteils gezeigt, was fuer ein wahnsinnig tolles und aufregendes Land China doch ist.
Ich war mal ganz fleissig und habe inzwischen die Bilder von besagter Xian-Reise mit meinem Boss und noch einige elterngerechte Eindruecke von meinem 20. Geburtstag hochgeladen (http://picasaweb.google.com/hoeferjan/XianAndMyBday), die Bilder des Kurztrips in die Innere Mogelei mit meinen Eltern (http://picasaweb.google.com/hoeferjan/InnereMogelei) und schlussendlich die Bilder der Rundreise durch den Rest des Landes (http://picasaweb.google.com/hoeferjan/Journey).

Viel Spass damit! Ein Reisebericht folgt hoffentlich, wenn mich eine Mischung aus Langeweile und schlechtem Gewissen ob meiner Untaetigkeit dazu bringen sollte

Mit schoenem Gruessen aus CHINA,
Jan

2 Kommentare 8.4.08 05:39, kommentieren

Der Krieg ist vorbei!?

Heyho,

da melde ich mich mal wieder. Ich habe nicht viel zeit, weil ich noch mehr oder weniger aktiv meinen kater auskurieren muss! Ihr habt es erfasst, ich war wieder einmal mit meinem Boss, ein paar Freunden und einigen Flaschen Baijiu essen und dann noch mit besagten Freunden in einem Kneipenviertel fuer Expats. Expats ist das oft benutzte wort fuer Auslaender, die keine touristen sind, sondern hier leben und arbeiten. Es war wirklich komisch. Die kneipe hatte so ein europaeisches Flair, dass ich ich dachte, ich koennte in jeder X-beliebigen Studentenkneipe sein.

Aber eigentlich wollte ich gar nicht von meiner europaeischen nacht berichten. Sonst fangen meine Eltern noch an zu glauben, dass ich hier zum alkoholiker geworden bin. Was natuerlich stimmt, aber tun wir mal so, als ob nicht
Ein paar Leute (und ich moechte jetzt Niemanden anschwaerzen - ausser vielleicht Pico und meine Eltern um die Schuldigen beim namen zu nennen) haben mir gesagt, dass ich einfach was ueber mein Leben hier berichten soll, auch wenn es mal kein ausgekluegelter lustiger Geniestreich ist, der meine Deutschlehrer der letzten 13 Jahre Luegen straft.

Also tatarataa, hier bin ich, und schreibe ein bisschen was ueber...mein Leben. Das letzte Update kam ja aus Hinterwaldhausen alias Dali, Yunnan, wo ich vollkommen berauscht von der Beerdigung (eine so wahrscheinlich noch nie da gewesene Wortkombination) der Geilheit des Lebens huldigte.
Der Rest der Reise blieb ebenfalls auf hohem Niveau. Zumindest spitituell und landschaftlich.
Am naechsten schnappte ich mir ein Fahrrad um ein bisschen die Umgebung zu erkunden. Und obwohl es viel ueber Baustellen ging, wurde ich doch jedes Mal, wenn ich zur Seite schaute belohnt mit einem Blick ueber saftig-gruene Reisfelder, auf denen sonnengegerbte Suedchinesen mit den schoenen Rundhueten, die man aus dem Fernsehen kennt besagte Felder bearbeiteten. Aus Peking war ich gewohnt, dass das traditionelle China groesstenteils nur noch als Touristenattraktion ueberlebt hat. Insofern war ich bezaubert und waehnte mich in irgendeinem Traum. Ich muesste oefters mein Fahrrad abstellen und mich kneifen; HeiligeMutterMariaGottesunddiedreiheiligenKoenigezusammen-Donnerwetternochmal, es lebt ja doch noch, das China, das ich erleben will.
Weder Worte noch Bilder werden dem wahrscheinlich gerecht, aber da Bilder das wohl noch eher als Worte schaffen, hoere ich jetzt am besten auf, vor mich hinzulabern und sage nur noch: http://picasaweb.google.com/hoeferjan/Yunnan. Am Mittwoch ging es dann weiter nach Lijiang, sagenumwoben seit es chinesische Reisebueros gibt, aber fuer Pekinger Verhaeltnisse immer noch entspannt und untouristisch. Auf der Fahrt lernte ich einen Kanadier kennen, mit dem ich dann fast den Rest der Reise verbracht habe. Er lebt seit nunmehr 4 Jahren in China, die meiste Zeit davon in Taiwan, und war ein unheimlich interessanter Gespraechspartner, weil ich mir vorstellen koennte, einen aehnlichen Lebensweg (er ist 28) wie er zu bestreiten. Studium internationaler Beziehungen mit Politik/Wirtschaftsschwerpunkt und dann an nach China. Nicht, dass ihr euch jetzt bangt, mich nie wieder zu sehen; ich bin immer noch eher dazu geneigt, eine laengere Zeit in Deutschland zu leben, besonders Uni, aber es war interessant, zu sehen, dass es auch hier funktionieren kann.
Ausserdem hatte er mit 4 Jahren in China nochmal einen ganz anderen Einblick in die Kultur als ich mit meinen mageren 4 Monaten.
In Lijiang blieben wir in einem kleinen, gemuetlichen Gasthaus. Mama Naxis Gasthaus. Naxi ist die dortige Minderheit. Und Mama war wirklich ein treffender Name. Ein kleines Haeuschen im Naxistil, eine kleine, laute aber herzliche Mama und eine gemuetliche Atmosphaere. Wie als haette mein Koerper darauf gewartet meldete sich mein Magen, kaum dass wir dort angekommen waren. Und um eine Portion gesunde Doppeldeutigkeit hier reinzubringen: Er wollte fuer die naechsten Tage nicht die Klappe halten. Eine Lebensmittelvergiftung mittelschwersten Grades. Fuer 5 Tage konnte ich nichts, aber auch rein gar nichts zu mir nehmen. Ausser Cola. Juchey:/
Was aber auch ok war, weil erstens gutes Wetter war (Sonnenbrand auf der Nase Mitte Januar!!), die Stadt gut war fuer etwas wacklige Spaziergaenge (versucht mal, nach 4 Tagen absolutem Fasten ein laengeres Stueck zu laufen) und sich Mama gut um gekuemmert hat. "Junge, du musst was essen", "Iss deine Medizin jetzt" (3mal am Tag und "jetzt geh schalfen und kurier dich aus". Und da ich ja eh der Meinung bin, dass Yunnan mehr Suedostasien als China ist, gehoert eine gesunde lebensmittelvergiftung einfach dazu...stimmts, inge?
Doch irgendwann kam dann doch leider der Abschied und nach einer quaelend langen Busfahrt nach Kunming uebernachtete ich dort noch einmal in der JH vom ersten Tag. In welcher mein Pekinger Boss neulich scheinbar eine seiner "Franchise"-Bars aufgemacht hatte. Weswegen ich sogar einige der Mitarbeiter kannte (Die Mitarbeiter wechseln oefters ihren Arbeitsplatz um sich gegenseitig was beizubringen usw.) und die dortige Chefin mich auf ein paar Kaffees einlud um den crasy auslaendischen mitarbeiter kennenzulernen Nach einem weiteren Tag ausgiebigen Sonnens musste ich dann abends nach Peking zurueck. In die Kaelte. Von 25 Grad nach -8. Ha Er Em Pe Ef. Hrmpf
Nach einem turbulenten Rueckflug (was kein positives Adjektiv in der Luftfahrt ist), bei dem ich 2mal dachte, dass ich sterben wuerde, weil wir auf halber strecke ohne ersichtlichen Grund von 35000 auf 22000 Fuss runtergingen, um dann wieder hochzuziehen, kam ich vollkommen adrenalinueberladen in Peking an.
Der Rest ist dann schnell erzaehlt. Ich friere mir hier den Allerwertesten ab, arbeite wie ein Bloeder und schwelge in Erinnerungen an waermere Gefilde.

Nur eine Sache ist cool hier. Ich komme langsam in die sprache rein. Ich lerne hier wirklich nicht viel und habe auch nicht die zeit, hier einen sprachkurs zu belegen, aber in letzter zeit merke ich immermehr, wie ich mich mit leuten verstaendigen kann. Meine Bosse sprechen - wie ich bereits berichtete - kein wort englisch, was ein immer kleineres Problem wird, da ich immer mehr auf chinesisch ausdruecken kann. Dieser Boss hat mich nun zum chinesischen Neujahrsfast eingeladen, ihn und ein, zwei andere Bosse zu sich nach Hause in Xian zu begleiten. Das wird eine Mordsgaudi. Mit Betonung auf Mord. Eine Woche nur chinesisch sprechen Ich hoffe, das wird meinem chinesisch einen kleinen Schub geben und auch einen tollen Einblick in chinesische Kultur geben, falls wir bei ihm zu hause wohnen.

An dieser Stelle koennte ich jetzt sagen "Wuenscht mir Hals und Stimmbruch" und aufhoeren, aber wenn ich schon bei meinen Alkoholkonsumminderungsabsichten, gesunder Ernaehrung und meiner Sportmotiviertheit meiner Linie nicht treu bleibe, so will ich dies wenigstens hier in meinem blog tun und meine rituelle kulturelle beobachtung einbringen.
Die hat diesmal sogar nichts mit China zu tun.
Sondern mit mir. Da ich in einer JH lebe treffe ich fast jeden tag neue, interessante Leute, mit denen ich mich ueber Gott und die Welt unterhalte. Aber besonders auf der Reise in Yunnan habe ich eine Menge Israelis und Hollaender getroffen. Und das kann dann schon in krassen Gespraechen ausarten. In Deutschland werden wir konfrontiert und konfrontieren uns selbst mit unserer Geschichte. Was gut ist! Einige von euch haben wahrscheinlich auch schon mal Zeit im ausland verbracht oder zumindest Zeit mit Auslaendern verbracht. Und wurden in diesen Situationen nicht als Person, sondern primaer als Deutscher gesehen. Auch ich werde damit oft konfrontiert (zwar nur von anderen Auslaendern, da chinesen mehr oder weniger gar nichts ueber westliche Geschichte und sehr wenig ueber die kultur wissen, aber immerhin..), aber erst ein Gespraech mit den Israelis, deren gesamte Familien im Holocaust umkamen und der jeweilige Grosselternteil der oder die einzige in der Familie waren, die ueberlebten ist schon heftig. Aeltere Hollaender, deren Tanten und Onkels hingerichtet wurden, weil sie Juden versteckten; eine Polin, deren Grosseltern den Krieg zwar physisch ueberlebten, aber so viel durchmachen mussten, dass sie psychisch kurz vorm ende waren.
Wenn man direkt mit solchen Geschichten konfrontiert wird, dann fuehlt man sich schon immer noch schuldig. Umso schoener ist es dann, wenn der Kommentar von den Angehoerigen dann ist, dass Deutschland als Staat und Gesellschaft nach dem Krieg dazu stand, sodass man Ihnen jetzt vergeben koenne.

Das klingt eventuell nicht besonders, aber glaubt mir, in solch einer Situation fuehlt man sich schon schlecht und die spaete vergebung tut dann gut. Das ist umso interessanter, da hier in China eine aehnliche Situation vorherrscht, die allerdings ganz anders gehandhabt wird. Der Hass (die Woerter Groll oder Abneigung werden den Gefuehlen der Chinesen in ihrer Staerke nicht gerecht) gegenueber Japan und Japanern ist quasi omnipraesent. Es stimmt schon, dass Japan Grausames getan hat in Asien, aber dies ist genau wie im westen 60 Jahre her. Man muss zugeben, dass die chinesische Regierung nicht gerade versucht, diese gefuehle innerhalb der Gesellschaft zu zerstreuen. Im spaerlich unterrichteten Fach Geschichte kommen die Japaner nicht gut weg. Und die erfolgreichste Sendung im chinesischen Fernsehen ist ueber den 2. Weltkrieg in der die Japaner als die absolut Boesen und die Chinesen als die absolut guten dargestellt werden. Und fragt man einen chinesen, was er von japanern haelt, so schuettlet er den kopf oder sagt einfach nur: ich mag sie nicht/hasse sie einfach.
Ich habe schon mehrmals von befreundeten westlichen englischlehrern gehoert, dass viele kinder wissen, dass sie japan hassen, bevor sie schreiben koennen.
Selbst von meinem boss, den ich wirklich mag und mit dem man sehr viel spass haben kann bekomme ich manchmal einen kommentar a la "wir sind eine internationale JH und alle Nationalitaeten koennen hier uebernachten, aber japaner...ich mag sie nicht"
woran liegt das?
Der wahrscheinlichste Grund ist wieder einmal dieses verdammte Gesichtverlieren. Stolz erlaubt es der japanischen Regierung nicht, sich fuer die vorkomnisse im 2. Weltkrieg zu entschuldigen. Und in japanischen Schulen wird - so wurde mir aus erster hand berichtet - der 2. Weltkrieg nur sehr abstrakt behandelt und Japans Rolle fast gar nicht erwaehnt. Es wird noch sehr lange dauern, bis dort ein Umbruch passiert und sich Japan als Gesellschaft sein Schuld eingesteht. Die Haltung der Chinesen macht es allerdings auch nicht einfacher.

Da lobe ich mir schon, deutsch zu sein und teil einer gesellschaft, einer Nation zu sein, die international wieder akzeptiert ist.
Und damit nun wirklich ein verspaetetes "Auf Wiedersehen"!
Jan

2 Kommentare 1.2.08 07:39, kommentieren

Weit ab vom Schuss und sprachlos

Mein Workout heute war Sargschleppen,

und damit ein herzlich willkommen an euch alle aus Suedostasien. Fuer die, die es nicht wissen, ich bin seit knapp 3 Tagen in Yunnan. Das ist die suedwestlichste Provinz Chinas. Sie grenzt im Sueden an Vietnam, Laos und Burma, im Osten an China und im Norden an Tibet. Eine Provinz der Gegensaetze. 50% aller Minderheiten leben hier, dementsprechend gleicht auch das chinesisch hier dem deutsch in hinterbayern. Was nicht heisst, dass man mit englisch weit kommn wuerde. Ich habe seit ich peking verlassen habe nur noch chinesisch gesprochen, nur mit ein, zwei Gaesten waren es mal ein, zwei Saetze englisch.

Wenn ihr euch jetzt fragt: Was macht denn Jan da unten, so sei geantwortet...puh..aeh...keine ahnung. Eigentlich sehr kurzfristig hatte ich letzten Montag meinen Boss gefragt, ob ich fuer eine Woche frei kriegen koennte. Ich konnte. Samstag morgen sass ich dann im Flieger und wuste nicht wirklich was ich erwarten sollte. Waemer sollte es sein. Kann ja nicht schwer sein, dachte ich mir, wenn man aus -6 Grad in peking kommt. Als ich dann landete, wurden alle Zweifel beseitigt. 30 Grad waermer ist ganz ordentlich. Nachdem ich mich also aller Kleidung entledigt hatte - naja, fast aller - war mein zweiter Eindruck: Das ist nicht mehr China. Ueberall stehen Palmen rum, alles ist ein einziger Marktplatz, Leute sitzen in Parks und rauchen komische Kraeuter und Myriaden von Rollern und Mopeds kreuzen auf den Strassen herum. Obwohl ich noch nie dort war, fuehlte ich mich an mein Bild von Suedostasien, Vietnam erinnert. Zu den vielen Minderheiten gehoeren auch Muslime. Dementsprechend stehen ueberall Moscheen und auf den Maerkten werden alle moeglichen muslimischen und sonstigen Leckerein verkauft. Bilder sprechen mehr als Worte und ich hoffe, bald auch einen USB-faehigen PC zu finden, aber fuers erste muss ich euch auf geschriebenem wege von Bambussaft, arabischem Honig, Schweinsgesichtern, ganzen geroesteten Spatzen vorschaermen. Jedenfals glaube ich, dass es Spatzen waren, mangels Federkleid war es schwer zu erkennen. Die Koepfe waren sehr zu empfehlen, wenn auch etwas kross.

In diesem Flair spazierte ich also den ganzen Tag durch die Strassen von Kunming, der yunnansischen hauptstadt. Aber da es doch noch sehr westlich war, zog ich am naechsten Tag schon weiter. Andere Orte seien besser, wurde mir schon in Peking von anderen Reisenden einstimmig gesagt. Also setzte ich mich am Sonntag in den Bus nach Dali mit nichts weiter als einem Backpack, einem LonelyPlanet und dem Gedanken, dass es schon irgendwie werden wuerde. In Dali habe ich mich erstmal gruendlich verlaufen, da ich in die 20km entfernte Altstadt wollte, die die Neustadt um Laengen schlagen sollte. Nach ewigem Hinundhergegurke - es war inzwischen dunkel kam ich endlich an und wollte nur noch irgendwo einchecken. Doch ab da war alles nur noch gut. Hilfsbereite Anwohner zeigten mir den Weg. Im Sanyukexian (was wahrscheinlich Gasthaus oder so bedeutet) bekam ein Einzelzimmer mit Doppelbett fuer den preis eines Schlafsaalbettes, weil ich so schoen chinesisch sprechen konnte. Nach etwas ausruhen begab ich mich dann in die Stadt um zu essen und schon mal zu erkundschaften. Die 24 stunden, die ich jezt hier bin habe ich noch keinen weissen gesehen, was hier keine seltenheit zu sein scheint. Ich bin wirklich "far away from home".  Ich habe seit der Ankunft schon 100 Bilder gemacht, also keine Angst, ihr werdet es noch zu sehen bekommen, aber dieser Stadt werden keine Worte gerecht. Ausser eventuell: Sprachlos.

Doch nun zu heute. Nachdem ich morgens die Strassen etwas langschlendert war, auf der Suche nach Kalorien mit Geschmack um meinen uebelst nervenden Magen zu befriedigen, und danach im Internetkaffee die Pekinger JH-Korrespondenz bearbeitet hatte (jaja, im urlaub arbeiten, schoen deutsch, bzw. schoen hoeferisch entschied ich mich, in ein nochmal 20km entferntes Bai-Dorf zu fahren (Bai ist die hier vorherrschende Minderheit). Da es schon 2 Uhr war war ich mir alerdings nicht sicher, ob s sich noch lohnen wuerde. Aus einer Laune heraus entschied ich mich, nicht dahin zu fahren. Und das koennte tatsaechlich eine meiner besten Entscheidungen gewesen sein, die ich seit langem tat.

Denn kaum, dass ich eine Strassenecke weiter gelaufen war drang ein Laerm um die Ecke. Boeller! Verfruehtes chinesisches Neujahr? Gelangweilte Kids? Weitest gefehlt. Eine Beerdigung. Eine Prozession von ca. 40 Bais zog durch die Strasse. Vornean ein Mann, der ununterbrochen braune Papierstuecke gegen den Wind warf, dahinter die Bannertraeger, dann die gestuetze laut schluchzende Witwe und dann getragen von 16 Maennern - der rote Sarg. Natuerlich machte ich Bilder und ein kleines Video. Aber das befriedigte meine Neugierde noch nicht. Ich folgte ihnen in einiger Distanz bis zur Stadtmauer der alten Stadt. Nachdem dort dann ein wenig zelebriert wurde, ging es - ohne Frauen - den Berg hoch. Mit dem Gedanken im Hinterkopf: wieviele Bai-Beerdigungen wirst du noch erleben - folgte ich ihnen. nach 10 minuten waren erreichten wir einen teil, der garantiert nie von touristen frequentiert wurde. Hier waren nur noch Anwohner. Als sie einen Augenblick pausierten nahmen sie mich war und nach etwas zurueckhaltung bedeuteten sie mir, mich zu ihnen zu gesellen und boten mir wasser und Bonbons an. Als sie weiterzogen bedeuteten sie mir, mitzukommen. Nach einiger zeit kamen wir ins gespraech, auch wenn s sehr schwer wa, da sie wie gesagt einen fiesen dialekt sprachen und mein chinesisch eh nicht sehr ausgefeilt war, wenn s zu langen gspraechen kommt. aber irgenwie ging es schon. wir gingen immer weiter und sie liessen mich immer mehr teilhaben. Anfangs trug ich ein Banner. Doch nach einer kurzen Pause, in der wir Rueben vom benachbarten Acker assen und Abschiedsigaretten rauchten baten sie mir sogar an, den Sarg mit zu tragen. Auf immer unebeneren Gelaende ging es einen berg hoch, auf dem sich auf einmal ein Friedhof in sicht kam.

Immer tiefer gingen wir in den Wald, durch all die chinesisch graeber. Der friedhof war sehr interessant. eigentlich nur ein unbebauter wald, der allerdings durchsetzt war von kleinen - groesstenteils runden -...Kryptas. Nur einen Meter hoch und nicht begehbar aber die Form entsprach irgendwie am ehesten einer Krypta. Irgendwann ereichten wir ein ausgehobenes Grab und der Sarg wurde langsam hineingelassen. Ich dachte mir, wie koennte es noch besser werden? du bist umgeben von 40 aelteren Maenner, die alle kein wort englisch sprachen, wahrscheinlich noch nie aus der Region, geschweige denn der provinz herausgekommen waren; alle sind freundlich, bieten dir allerhand zu knabbern an und tief in meinem bauch hatte ich das gefuehl, weiter ab vom schuss und unwestlicher kann man in dieser globalisierten welt nicht mehr kommen.

Auf dem rueckweg half ich dann, die reste vom sarggestell in die stadt zurueckzuschleppen. Es ging in den touristisch absolut unerschlossen nordteil der stadt. Von allen seiten wurde ich komisch angestarrt. Was schleppt der weisse da inmitten der gruppe von einheimischen ein bai-isches sarggestell?

Als wir das Gestell abgeliefert hatten ging es noch tiefer in die...Authenzitaet. Irgendwann kamen wir dann in eine kleine seitengasse, in einem Hinterhof, der zwar nicht geraeumig, aber trotzdem voll von menschen war. Dort bereiteten die frauen ein groses festmahl und obwohl ich von allen seiten angstarrt wurde, laechelten doch alle und freuten sich wahnsinnig einen laowai (einen alten fremden, so das chinesische kosewort fuer auslaender) in ihrer mite zu haben. Mir wurde der einheimische Ingerte angeboten, der unheimlich suess war, aber sehr lecker schmeckte. Dann sass ich neben einem alten mann, der - wie es mir erschien - der hausherr war. igendwan fingen wir an, kaligraphie zu schreiben. Und obwohl ich es kaum lesen konnte war es sehr schoen, ihm dabei zuzuschauen. Dann gab Essen. ich wurde mit 7 anderen maennern an einen tisch gesetzt und schon wurden die speissen aufgetragen. Einheimisch, aber nicht unbedingt speziell. Irgendwo fettig und das meiste hate ich schon mal gegessen, aber einfach das ganze ritaul miterleben zu duerfen war so eine ehre. Und die ganze zeit der versuch, sich mit mir auf bruechigem chinesisch zu unterhalten. Wie es in china so ueblich ist, standen alle unmittelbar nach dem essen auf und gingen ihrer wege. So etwas wie ausspannen nach dem essen oder aehnliches ist hier unbekannt.

ich dachte, das war es also! das abenteuer schlechthin. aber weit gefehlt. ich traf naemlich noch den mann, der mich urspruenglich in die gruppe eingeladen hatte und mit dem ich mich fast die ganze zeit zu unterhalten versucht hatte. Der lief mit seiner Mutter (89!) spazieren. ich begleitete sie also noch ein weilchen, wir gingen in den Dali-Park, der auch auch wieder so unwahrscheinlich schien. Eine ganz komische Mischung aus Palmen, Bambus und Kiefern. Wunderschoen auf jeden fall. Irgendwann kam dan doch der abschied, der ehrlich gsagt, etwas kurz und foermlich ausfiel und ich stratzte nach hause mit dem gefuehl: Ich bin in china. Wenn ich es vorher noch nicht 100% realisiert hatte, dann heute!

jetzt sitze ich hier im gasthaus vorm pc und weiss zweierlei: ich liebe dali und oh mein gott, bin ich weit ab vom schuss!

2 Kommentare 14.1.08 13:30, kommentieren